Kaum ein Begriff im Nahrungsergänzungsmarkt ist so aufgeladen und so dünn belegt wie dieser. Longevity verspricht viel, und je genauer man hinsieht, desto weniger davon lässt sich halten. Wir gehen das Thema deshalb anders an als üblich und sortieren erst einmal, worüber überhaupt gesprochen wird.
Lebensspanne und Gesundheitsspanne
Im Englischen gibt es zwei Wörter, im Deutschen benutzen wir meist nur eines. Lifespan ist die Lebensspanne, also wie lange jemand lebt. Healthspan ist die Gesundheitsspanne, also wie lange jemand ohne wesentliche Einschränkungen lebt. Zwischen beiden liegen im Durchschnitt etliche Jahre.
Wenn in der Longevity-Diskussion etwas ein sinnvolles Ziel ist, dann die zweite Zahl. Sie ist beeinflussbar, sie ist messbar, und die Mittel dafür sind unspektakulärer, als es der Markt nahelegt.
Was tatsächlich als gesichert gilt
Die Faktoren mit der besten Datenlage sind seit Jahrzehnten dieselben und kosten nichts: regelmäßige Bewegung mit Kraft- und Ausdaueranteil, ausreichender und regelmäßiger Schlaf, eine überwiegend pflanzliche und ballaststoffreiche Ernährung, kein Rauchen, moderater bis kein Alkohol, soziale Einbindung.
Das ist eine unbequeme Liste, weil sich damit nichts verkaufen lässt. Sie steht hier trotzdem an erster Stelle, weil jede ehrliche Auseinandersetzung mit dem Thema dort beginnt. Zwei Punkte davon haben wir ausführlicher behandelt: Schlaf und Regeneration sowie Kraft und Ausdauer im Training.
Die Substanzgruppen, die dir begegnen
Im Handel triffst du im Wesentlichen auf vier Kategorien. Es lohnt, sie auseinanderzuhalten, weil der Forschungsstand sehr unterschiedlich ist.
NAD-Vorstufen. Dazu gehören NMN und NR. NAD ist ein Coenzym, das in vielen Stoffwechselprozessen vorkommt und dessen Konzentration im Gewebe mit dem Alter sinkt. Der Gedanke, diesen Rückgang über Vorstufen zu beeinflussen, ist Gegenstand aktiver Forschung. Belastbare Aussagen zu einer Wirkung beim Menschen gibt es bislang nicht.
Polyamine. Spermidin ist das bekannteste. Es kommt natürlich in Weizenkeimen, Käse und Pilzen vor. Auch hier steht die Forschung am Anfang.
Polyphenole. Resveratrol, OPC aus Traubenkernen, Curcumin. Diese Gruppe ist am längsten untersucht, die Ergebnisse aus Zell- und Tiermodellen ließen sich beim Menschen bisher nur eingeschränkt bestätigen.
Antioxidantien im engeren Sinn. Hier sind wir bei den Nährstoffen, für die es tatsächlich bestätigte Aussagen gibt.
Der einzige Bereich mit gesicherten Aussagen
Vitamin C, Vitamin E, Selen, Zink, Kupfer, Mangan und Riboflavin tragen dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen.
Das ist die einzige Aussage in diesem gesamten Themenfeld, die geprüft und bestätigt ist. Sie klingt bescheidener als das, was auf vielen Longevity-Verpackungen steht, und genau das ist der Punkt.
Bei uns findest du diese Nährstoffe unter anderem als Vitamin C und als Vitamin E, beide sind Teil unserer Longevity-Auswahl.
Wie du Angebote in diesem Feld einordnest
- Je konkreter ein Wirkversprechen, desto skeptischer solltest du sein. Für die meisten Substanzen dieser Kategorien gibt es keine bestätigten Aussagen.
- Achte darauf, ob eine Studie am Menschen oder an Zellkulturen und Mäusen durchgeführt wurde. Der Unterschied ist groß.
- Prüfe die Menge im Produkt gegen die in Studien verwendete. Sie weicht oft erheblich ab.
- Rechne auf den Preis pro Tag um, bevor du vergleichst. Wie das geht, steht im Beitrag zu den Prozentangaben auf der Packung.
Was wir dazu sagen können und was nicht
Wir führen Produkte aus allen genannten Kategorien, weil es dafür Nachfrage von Menschen gibt, die sich informiert damit beschäftigen. Was wir nicht tun: mehr behaupten, als sich sagen lässt.
Wo die Forschung am Anfang steht, schreiben wir das hin, statt eine Gewissheit zu erfinden, die es nicht gibt. Das kostet uns vermutlich den einen oder anderen Kauf an Anbieter, die das anders halten. Wir halten es trotzdem für die einzige Position, die in zehn Jahren noch trägt.
Quellen: Zugelassene Angaben nach Verordnung (EU) Nr. 432/2012. Referenzmengen nach Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 (LMIV), Anhang XIII.
Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise.



